18.06.2026

Impact Investing in Deutschland: Vom Momentum zur Skalierung

Erkenntnisse und Handlungsfelder aus dem “German Impact Investing Survey 2025”

Mit dem German Impact Investing Survey 2025 legt der BVII gemeinsam mit seinen Partnern eine der umfassendsten aktuellen Bestandsaufnahmen des deutschen Impact-Investing-Marktes vor. Die Ergebnisse zeigen sowohl die zunehmende Professionalisierung des Marktes als auch die zentralen Herausforderungen für dessen weitere Skalierung. Für den BVII liefern die Erkenntnisse wichtige Impulse für die zukünftige Verbands-, Markt- und Positionierungsarbeit.

Der deutsche Impact-Investing-Markt steht an einem entscheidenden Punkt

Der Bedarf an Kapital für ökologische und soziale Lösungen ist hoch, während öffentliche Budgets unter Druck stehen und Europa weiterhin vor einer erheblichen grünen Investitionslücke steht. Gleichzeitig erfordern die europäischen Transformationsziele erhebliche Investitionen in Klimaschutz, Biodiversität, soziale Infrastruktur und wirtschaftliche Resilienz. Impact Investing kommt dabei eine zunehmend wichtige Rolle zu, da es Kapital gezielt in Lösungen lenkt, die messbare Wirkung mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit verbinden. Ziel ist nicht nur mehr Finanzierung, sondern eine stärkere Verankerung von Impact Investing als Standardpraxis in den Kapitalmärkten.

Die Ergebnisse des German Impact Investing Survey 2025 zeigen: Impact Investing ist in Deutschland nicht länger ein Randthema, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem etablierten Bestandteil des Kapitalmarkts. Mehr als 70 % der Befragten erwarten marktübliche Renditen oder sogar Outperformance. Gleichzeitig berichten viele Teilnehmende, dass sowohl ihre finanziellen Erwartungen als auch ihre Wirkungserwartungen regelmäßig erfüllt wurden. Das zentrale Signal ist deutlich: Finanzielle Performance und positive Wirkung werden zunehmend nicht mehr als Gegensatz verstanden, sondern als miteinander vereinbare Ziele.

Trotz dieses positiven Bildes bleibt Skalierung die zentrale Herausforderung

Zwar planen die meisten Teilnehmenden, ihre Impact Assets under Management in den kommenden Jahren auszubauen. Gleichzeitig machen Impact Investments bislang nur einen kleinen Anteil der gesamten verwalteten Vermögen der befragten Organisationen aus. Hinzu kommt: Große institutionelle Asset Owner, bedeutende deutsche Entwicklungsfinanzierer und große Asset Manager sind in der Stichprobe unterrepräsentiert. Eine verlässliche Marktgrößenschätzung ist dadurch noch nicht möglich; der tatsächliche deutsche Impact-Investing-Markt dürfte größer sein als in dem Survey sichtbar.

Die größten Hürden sind entsprechend klar benannt: mangelnde Standardisierung von IMM-Ansätzen, komplexe oder restriktive regulatorische Rahmenbedingungen und fehlende Impact-Daten. Für noch nicht aktive Investor:innen kommen definitorische Unsicherheit und die Sorge vor Greenwashing-Vorwürfen hinzu. Die Diskussion um SFDR 2.0 kann daher ein wichtiger Hebel werden, um mehr Klarheit über die Definition von Impact Investing zu schaffen und Markteintrittsbarrieren zu senken.

Handlungsfelder für den BVII

Aus den Ergebnissen des Surveys lassen sich klare Handlungsfelder für den BVII ableiten, um die weitere Professionalisierung, Skalierung und institutionelle Verankerung von Impact Investing in Deutschland gezielt voranzutreiben. Dabei geht es nicht allein um die Entwicklung einzelner Produkte oder Strategien, sondern um die Frage, wie Impact Investing stärker als Bestandteil einer breiteren Transformations- und Kapitalmarktstrategie etabliert werden kann.

  • Institutionelles Kapital für Impact Investing mobilisieren: Ein zentraler Hebel für die weitere Skalierung von Impact Investing liegt in der stärkeren Einbindung institutioneller Asset Owner wie Versicherungen, Pensionskassen, Versorgungswerke und großer Stiftungen. Ihre Beteiligung wird entscheidend dafür sein, Impact Investing künftig stärker als festen Bestandteil institutioneller Kapitalallokation zu etablieren.
  • Die Weiterentwicklung von SFDR 2.0 aktiv mitgestalten: Die Diskussion um SFDR 2.0 bietet die Chance, definitorische Unsicherheiten zu reduzieren und Impact Investing innerhalb des europäischen Sustainable-Finance-Rahmens klarer zu verorten. Der BVII wird sich weiterhin aktiv in diese Debatten einbringen, um praktikable und glaubwürdige Rahmenbedingungen mitzugestalten.
  • IMM von der Theorie in die Praxis bringen: Der Markt braucht stärker standardisierte und zugleich praxisnahe Ansätze zur Wirkungsmessung und zum Impact Management. Besonders relevant sind dabei Fragen der Outcome-Messung, Datenverfügbarkeit, Investor Contribution und Impact-Verifizierung. Der BVII kann hier eine wichtige Rolle als Plattform und Übersetzer zwischen Marktpraxis, Regulierung und Forschung übernehmen, um Vergleichbarkeit, Transparenz und institutionelle Anschlussfähigkeit weiter zu stärken. Darüber hinaus wird der BVII den Austausch zu praktischen Herausforderungen und Lösungsansätzen im Bereich Impact Measurement & Management gezielt fördern und damit zur weiteren Professionalisierung, Vergleichbarkeit und Transparenz des Marktes beitragen.
  • Policy- und Advocacy-Arbeit stärken: Mit zunehmender Marktrelevanz wächst auch die Bedeutung einer stärkeren politischen und regulatorischen Einbindung von Impact Investing. Der BVII wird seine Rolle als Plattform und Impulsgeber weiter ausbauen, um die deutsche Perspektive stärker in europäische und internationale Sustainable-Finance-Debatten einzubringen.

Der Survey zeigt deutlich: Impact Investing hat sich in Deutschland als relevantes und zunehmend professionelles Marktsegment etabliert, bleibt jedoch bislang noch nicht ausreichend skaliert. Die nächste Entwicklungsphase wird entscheidend davon abhängen, institutionelles Kapital stärker zu mobilisieren, definitorische Unsicherheiten zu reduzieren und glaubwürdige sowie praktikable Standards weiterzuentwickeln. Gleichzeitig wird es darauf ankommen, Messbarkeit, Transparenz und regulatorische Klarheit weiter zu stärken. Impact Investing ist damit längst kein Randthema mehr, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Baustein für die Finanzierung realwirtschaftlicher Transformation.

Die Ergebnisse des Surveys zeigen, dass die Grundlagen für die nächste Wachstumsphase des deutschen Impact-Investing-Marktes gelegt sind. Entscheidend wird nun sein, institutionelles Kapital stärker zu mobilisieren, regulatorische Klarheit zu schaffen und die notwendige Marktinfrastruktur für glaubwürdige Wirkungsmessung und Transparenz weiter auszubauen. Der BVII wird diesen Prozess aktiv begleiten und mitgestalten.

Webinar: Ergebnisse, Trends und Ausblick

Gerne können Sie am 24.06.2026 von 12 bis 13:15 Uhr an dem vom BVII und der Bertelsmann Stiftung organisierten Webinar zum Survey teilnehmen. Hier erhalten Sie Einblicke in die aktuelle Marktlage, wichtige Trends und Erkenntnisse, Hindernisse für die Ausweitung von Impact Investing und die Frage, was erforderlich ist, um weiteres Wachstum zu ermöglichen. Als Panelist:innen sind Heike Schmitz (Herbert Smith Freehills), Lennert van Mens (Commerzbank) und Antonis Schwarz dabei. Das Webinar wird auf Englisch stattfinden.

Autor:innen

Dina Rebecca Lorentz, Geschäftsführerin Bundesverband Impact Investing (BVII)

Eric Prüßner, Wissenschaftlicher Leiter des Surveys und Geschäftsführer Advanced Impact Research (air4p.org)

Hinweis: Dieser Blogentwurf basiert auf den Ergebnissen des German Impact Investing Survey 2025, insbesondere den Key Insights und den daraus abgeleiteten BVII-Prioritäten auf S. 7–8.

Danksagung

Ein besonderer Dank gilt der Bertelsmann Stiftung für die Unterstützung des Surveys, Advanced Impact Research GmbH für die partnerschaftliche Durchführung der Umfrage sowie dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und der Europäischen Union, durch deren Finanzierung das Projekt 𝘕𝘢𝘤𝘩𝘩𝘢𝘭𝘵𝘪𝘨 𝘞𝘪𝘳𝘬𝘦𝘯 und damit die Umsetzung des Surveys ermöglicht wurde.

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